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SEA/Google Ads24. Mai 202610 min Lesezeit

Google Marketing Live 2026: Wie KI-Anzeigen, Agentic Commerce und OpenAI den Search-Advertising-Markt neu ordnen

Google Marketing Live 2026 hat das Ende des klassischen Keyword-Advertisings eingeläutet: Conversational Discovery Ads, Journey-Aware Bidding und der Universal Cart verändern die Spielregeln fundamental — und OpenAI betritt mit dem Ads Manager als ernstzunehmender Wettbewerber die Bühne.

Executive Summary

Google Marketing Live 2026 war kein normales Produkt-Update — es war die offizielle Einführung einer neuen Epoche der Suchmaschinenwerbung. Mit Formaten wie Conversational Discovery Ads und Highlighted Answers platziert Google Anzeigen erstmals nativ in KI-generierten Antworten, nicht mehr nur daneben. Gleichzeitig macht der May 2026 Core Update, der aktuell rollt, deutlich: Wer jetzt nicht auf AI-optimiertes Advertising umstellt, verliert Sichtbarkeit schneller als je zuvor. Für Agenturen bedeutet das einen fundamentalen Rollenwechsel — von der Kampagnen-Ausführung zur KI-Steuerung und Datenstrategie.

Neue Anzeigenformate im AI Mode: Was sich verändert hat

Google hat auf dem Marketing Live und dem parallel stattfindenden Google I/O 2026 klargemacht, dass der AI Mode nicht mehr Zukunft, sondern Gegenwart ist: Über eine Milliarde Nutzer nutzen ihn monatlich aktiv, AI Overviews sogar 2,5 Milliarden. Die Konsequenz für Werbetreibende ist dramatisch: Wenn ein AI Overview auf der Suchergebnisseite erscheint, sinkt die durchschnittliche CTR für bezahlte Anzeigen von 19,70 % auf 6,34 % — ein Rückgang um fast zwei Drittel, den Seer Interactive in einer unabhängigen Studie belegt hat.

Die Antwort von Google: Anzeigen werden nicht mehr an die KI-Antworten angehängt, sondern in sie integriert.

Conversational Discovery Ads sind das neue Flaggschiff-Format. Sie reagieren auf spezifische Nutzerfragen und liefern maßgeschneiderte Antworten direkt im Gesprächsfluss des AI Mode. Ergänzt werden sie durch sogenannte AI Explainer — KI-geschriebene Erklärungen innerhalb der Anzeige, die dem Nutzer erläutern, warum genau dieses Produkt die Antwort auf seine komplexe Suchanfrage ist.

Highlighted Answer Ads funktionieren anders: Hier erscheinen Marken in KI-generierten Empfehlungslisten — vergleichbar mit einem redaktionellen Produktvergleich, aber als bezahlte Platzierung. Beide Formate zeigten laut Google in ersten Tests deutlich höhere Engagement-Raten als klassische Textanzeigen.

Ein weiterer Datenpunkt verdient besondere Aufmerksamkeit: Wird eine Marke innerhalb eines AI Overviews als Quelle zitiert — also durch organische GEO-Arbeit — steigt die Klickrate der zugehörigen bezahlten Anzeige um 91 %. Die Trennung zwischen SEO und SEA ist damit strukturell aufgehoben.

Was bedeutet das für Agenturen?

SEO und SEA müssen in einer gemeinsamen Strategie gedacht werden. Wenn ein Kunde in AI Overviews zitiert wird, verdoppelt das die Effektivität seiner Paid-Kampagnen. Agenturen sollten sofort prüfen, für welche Keywords ihrer Kunden AI Overviews erscheinen — und dort GEO-Maßnahmen (strukturierte Inhalte, E-E-A-T, Schema Markup) mit gezielten Geboten kombinieren. Das Keyword-Budget für informationelle Suchanfragen ohne AI-Zitation kann reduziert werden; das freie Budget fließt in transaktionale Intents, die weiterhin Klicks generieren.

AI Max für Search: Die kontrollierbare Alternative zu Performance Max

Mit AI Max für Search hat Google eine Kampagnenschicht eingeführt, die das Beste aus Automatisierung und Kontrolle vereint — und damit eine der größten Kritikpunkte an Performance Max adressiert. AI Max nutzt "Keywordless Targeting" und semantisches Broad Matching, um neue Suchanfragen im AI Mode zu erschließen, bietet aber im Gegensatz zu PMax vollständige Transparenz auf Suchbegriffsebene und respektiert negative Keywords vollständig.

Die ersten Leistungsdaten sind beeindruckend: Werbetreibende, die AI Max aktivieren, verzeichnen im Durchschnitt 14 % mehr Conversions bei vergleichbaren CPA- und ROAS-Zielen. Kampagnen, die zuvor stark auf Exact und Phrase Match limitiert waren, erzielten sogar 27 % mehr Conversions bei ähnlichen Kosten. Die Fallstudie von L'Oréal zeigt, was in der Praxis möglich ist: Das Unternehmen nutzte AI Max, um konversationelle Suchanfragen wie "Was ist die beste Creme gegen dunkle Flecken?" zu erschließen — Ergebnis war eine Verdopplung der Conversion-Rate und 31 % niedrigere Cost-per-Conversion.

Für Lead-Generierung ist die Agentur Loud Mouth Media ein gutes Beispiel: Mit AI Max für einen pharmazeutischen Kunden wurden Anfragen um 50 % gesteigert und gleichzeitig der Cost-per-Lead um 35 % gesenkt.

Google empfiehlt für 2026 das sogenannte "Power Pack": 60–70 % des Budgets in Performance Max für kanalübergreifende Reichweite, 30–40 % in AI Max für präzise Suchabfang-Dominanz. Wichtig dabei: Ohne strikte Segmentierung konkurrieren beide Kampagnenarten um dieselben Suchanfragen und treiben gegenseitig die CPCs hoch — ein Risiko, das viele Agenturen unterschätzen.

Was bedeutet das für Agenturen?

Der Einstieg in AI Max sollte strukturiert erfolgen: 70 % des Budgets bleiben in bewährten Suchkampagnen, 20 % gehen in ein AI Max A/B-Experiment, 10 % in "Smart Bidding Exploration" für neue Zielgruppen. Vor dem Start müssen umfangreiche Negative-Keyword-Listen aufgebaut werden — AI Max kann bis zu 10.000 Ausschlüsse auf Kampagnenebene verwalten. Wöchentliche Suchbegriff-Reviews sind Pflicht, da das semantische Broad Matching schnell in irrelevante Themen abdriften kann ("Broad Match Drift").

Agentic Commerce: Der Universal Cart verändert den E-Commerce-Funnel

Google greift mit dem Universal Commerce Protocol (UCP) und dem Universal Cart in den Kaufprozess ein wie nie zuvor. Nutzer können Produkte plattformübergreifend — in Search, Maps, YouTube und Gmail — in einen zentralen Warenkorb legen. Der Kaufabschluss erfolgt direkt innerhalb der Google-Oberfläche via Google Pay, das nun auch Ratenzahlungsanbieter wie Klarna und Affirm integriert, ohne dass der Käufer die Händler-Website besuchen muss.

Parallel dazu werden Shopping Ads und Direct Offers in den AI Mode integriert. Für Lead-Generierung kommt der Business Agent for Leads — ein KI-Agent, der Nutzeranfragen entgegennimmt und qualifizierte Kontaktdaten direkt an Unternehmen übermittelt, ohne Formular-Weiterleitung.

Der technische Unterbau: Am 18. August 2026 schaltet Google die bisherige Content API for Shopping ab und zwingt alle Händler zur Migration auf die neue Merchant API. Diese verarbeitet Echtzeit-Updates statt langsamer Batch-Verarbeitung und bis zu 1.000 Produkte pro Anfrage. Wer die Deadline verpasst, verliert nicht nur die Feed-Anbindung, sondern auch alle bestehenden PMax-Kampagnen — weil sich die Feed-Labels bei der Migration ändern und Produktverknüpfungen manuell neu gesetzt werden müssen.

Was bedeutet das für Agenturen?

Die Merchant API-Migration ist die dringlichste technische Aufgabe für alle Agenturen mit E-Commerce-Kunden. Sofort prüfen, welche Clients noch die alte Content API nutzen, und die Migration bis Juli 2026 abschließen — nicht erst im August. Gleichzeitig müssen Produkt-Feeds mit "Conversational Attributes" angereichert werden: Attribute wie Anwendungsfall, Vergleichskontext und Nutzerbedürfnis helfen den Gemini-Modellen, das richtige Produkt auf komplexe Anfragen zu matchen.

Journey-Aware Bidding: B2B-Lead-Generierung neu gedacht

Eine der wichtigsten strukturellen Änderungen betrifft B2B- und Lead-Gen-Kampagnen. Das neue Journey-Aware Bidding ermöglicht es, CRM-Daten direkt in das Google Smart Bidding einzuspeisen — nicht nur Form Fills, sondern Marketing Qualified Leads, erstellte Angebote und gewonnene Kunden. Der Algorithmus lernt so den gesamten "Lead-to-Sale"-Prozess und filtert Spam-Anfragen aktiv heraus.

Das ist eine strukturelle Antwort auf ein wachsendes Problem: KI-Kampagnen können Leads in großer Zahl generieren — aber ohne Qualitätssignal skalieren sie auch Spam. Agenturen, die weiterhin nur auf Formular-Einsendungen optimieren, riskieren, dass der Algorithmus zunehmend wertlose Leads bevorzugt und die eigentlich gewinnbringenden Anfragen aus dem Targeting verdrängt.

Die Integration erfolgt über den Data Manager API von Google. Agenturen, die First-Party-Daten ihrer Kunden anbinden, erzielen im Durchschnitt 11 % höheren inkrementellen ROAS.

Was bedeutet das für Agenturen?

CRM-Integration ist ab sofort kein "Nice-to-have" mehr, sondern Voraussetzung für effektives Lead-Gen-Advertising. Für jeden B2B-Kunden sollte eine Offline-Conversion-Strategie entwickelt werden: Mindestens zwei bis drei Qualitätsstufen (z. B. "Qualified Lead", "Proposal Sent", "Closed Won") müssen in Google Ads importiert werden. Das erfordert eine enge Abstimmung mit dem Vertrieb des Kunden — und positioniert die Agentur als strategischen Partner, nicht nur als Kampagnen-Dienstleister.

OpenAI als neuer Wettbewerber: ChatGPT Ads und das Ende des Google-Monopols

OpenAI hat den Ads Manager Beta in dieser Woche um tägliche Budgetsteuerung, Geo-Targeting und eine Listen-Ansicht mit Gesamtkennzahlen erweitert. Das Signal ist eindeutig: ChatGPT entwickelt sich zu einer vollwertigen Advertising-Plattform.

Die Zahlen aus frühen Tests sind bemerkenswert: Anzeigen in KI-Suchmaschinen weisen eine 2,4-fach höhere Interaktionsrate auf als klassische Suchanzeigen. Microsoft Copilot verzeichnete bei KI-integrierten Anzeigen sogar 69 % höhere CTR und 76 % höhere Conversion-Raten — weil die Anzeigen nicht neben, sondern in längere Konversationen eingebunden werden und damit deutlich relevanter wirken.

Der Markt für KI-Suchwerbung überschreitet 2026 die 500-Millionen-Dollar-Marke und ist damit das am schnellsten wachsende Segment im digitalen Advertising. Zum Vergleich: Google verarbeitet täglich 8,5 Milliarden Suchanfragen — ChatGPT liegt bei einem Bruchteil davon. Aber in hochprofitablen Nischen wie Software-Entwicklung sind bereits 30 % der Suchanfragen zu ChatGPT abgewandert.

Für Agenturen bedeutet das: Wer ausschließlich auf Google setzt, verliert in spezifischen Zielgruppen schon heute Reichweite.

Was bedeutet das für Agenturen?

Jetzt ist der Zeitpunkt, erste Erfahrungen mit dem ChatGPT Ads Manager zu sammeln — idealerweise mit einem Testkunden aus dem B2B-Bereich oder Tech-Sektor, wo die Nutzerverlagerung am stärksten ist. Die kreativen Anforderungen unterscheiden sich: KI-Anzeigen brauchen kontextuelle Relevanz innerhalb eines Gesprächs, keine klassischen Headline/Description-Strukturen. Das ist eine neue Kompetenz, die Agenturen aufbauen sollten, bevor der Markt stärker umkämpft ist.

Neue Tools für Agenturen: Asset Studio, Ask Advisor und das 78-%-Signal

Google hat auf dem Marketing Live mehrere Tools vorgestellt, die den Agentur-Workflow direkt betreffen:

Google Asset Studio (mit Veo 3 und Gemini Omni) ist kostenlos in Google Ads integriert und ermöglicht, aus statischen Bildern oder Text-Prompts bis zu 10 Sekunden lange Video-Ads für YouTube zu generieren. In Kombination mit dem AI Brief (Text Guidelines 2.0) können Agenturen in natürlicher Sprache exakte Markenvorgaben definieren — Tonalität, auszuschließende Begriffe, Zielgruppen — die die KI bei der Anzeigengenerierung zwingend einhalten muss.

Google Ask Advisor vereint Ads Advisor und Analytics Advisor in einem plattformübergreifenden KI-Assistenten, der direkt in Google Ads, Analytics 360 und dem Merchant Center integriert ist. Agenturen können in natürlicher Sprache Anweisungen geben ("Finde neue Kunden für die Haarpflegeprodukte von Kunde X") — der Advisor zieht Produktdaten aus dem Merchant Center und erstellt einen Kampagnenentwurf. Troubleshooting bei Feed-Fehlern oder Conversion-Importen funktioniert ebenfalls per Prompt.

Ein Datenpunkt, der die Dringlichkeit verdeutlicht: 78 % aller Google Ads-Ausgaben werden bereits über Smart Bidding gesteuert. Manuelle Gebote sind de facto Vergangenheit. Agenturen, die noch stark auf manuelle Steuerung setzen, verlieren täglich Effizienz.

Was bedeutet das für Agenturen?

Der Wert der Agentur verschiebt sich von der Kampagnen-Ausführung zur Daten-Qualität und Marken-Steuerung der KI. Wer dem Algorithmus die besten Signale liefert — präzise Offline-Conversion-Daten, durchdachte Asset-Feeds, klare Brand Guidelines im AI Brief — erzielt überproportional bessere Ergebnisse. Das ist der neue Wettbewerbsvorteil.

Fazit & Handlungsempfehlungen

Google Marketing Live 2026 hat die Spielregeln des Search Advertisings verändert. Conversational Discovery Ads und Highlighted Answers integrieren Werbung in KI-Antworten statt daneben. AI Max bietet erstmals kontrollierbare KI-Automatisierung für Suchkampagnen. Journey-Aware Bidding macht B2B-Kampagnen messbar. Und OpenAI tritt als erster ernstzunehmender Konkurrent im Advertising-Markt an. Für Agenturen ist das eine Chance — aber nur wenn sie jetzt handeln.

Das kannst du diese Woche umsetzen:

  1. Merchant API-Migration prüfen: Für alle E-Commerce-Kunden sofort den API-Status prüfen und Migration vor dem 18. August 2026 einleiten. Feed-Labels nach Migration manuell in PMax-Kampagnen neu verknüpfen.

  2. AI Max Piloten starten: Für mindestens einen Kunden ein A/B-Experiment mit AI Max gegen die beste bestehende Suchkampagne einrichten (50/50-Split, 20 % des Budgets, mindestens 4 Wochen Laufzeit). Negative-Keyword-Liste vorher aufbauen.

  3. GEO und SEA zusammenführen: Prüfen, bei welchen Keywords der Kunden AI Overviews erscheinen. Dort GEO-Optimierung (strukturierte Inhalte, Schema, Quellenqualität) mit Paid-Kampagnen kombinieren — der 91 %-CTR-Uplift durch Zitation macht das zur profitabelsten Maßnahme des Quartals.

  4. CRM-Daten in Google einbinden: Für jeden B2B-Kunden Offline-Conversion-Tracking mit mindestens zwei Qualitätsstufen einrichten und Journey-Aware Bidding aktivieren. Koordination mit dem Vertrieb des Kunden ist dabei unerlässlich.

  5. ChatGPT Ads Beta beantragen: Zugang zum OpenAI Ads Manager Beta beantragen und mit einem Tech- oder Software-Kunden erste Erfahrungen sammeln — bevor der Markt umkämpfter wird und die Einstiegshürden steigen.

Dieser Report wurde KI-kuratiert von OMfire. Alle Quellen sind im Text verlinkt.